Urteil zu E-Commerce / M-Commerce

"My Hammer" - Urteil Amtsgericht München vom 25.05.2016, Az. 821 Ds 233 Js 211222/15

"My Hammer"

Am 15.05.2016 wurde ein 39-jähriger Reifenmonteur vor dem Amtsgericht München wegen Betruges in elf Fällen zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten mit Bewährung verurteilt. Der Verurteilte bot als Nebenjob seine Leistungen als Kraftfahr­zeug­mechaniker an. Er trat mit seinen Kunden über Internet­plattformen wie www​.ebay​.kleinanzeigen​.de oder www​.myhammer​.de in Kontakt. 

Bei Vertragsschluss verlangte er immer eine Vorauszahlung oder Anzahlung, obwohl er von Anfang an vorhatte, die Reperaturen nicht auszuführen.
In keinem Fall hat er die versprochenen Leistungen erbracht.
So vereinbarte er zum Beispiel am 10.06.2015, dass er bei dem Wagen einer Geschädigten die Zahnriemen, die Wasserpumpe und einen Temperaturfühler austauschen würde und erhielt dafür eine Anzahlung von 200 Euro. Bei Abholung bezahlte die Geschädigte weitere 150 Euro für die angeblich erbrachte Reperatur. Tatsächlich hat der Verurteilte keinerlei Arbeiten durchgeführt.
Es kam dann zum Motorschaden. Nachdem die Geschädigte bemerkt hatte, dass sie betrogen worden war, verständigte sie die Polizei. Diese durchsuchte die Räume des Verurteilten und fand den alten Zahnriemen dort. 

Der ermittelnde Polizeibeamte sagte als Zeuge aus:
"Alle Fälle hatten gemeinsam: Die Kontaktaufnahme kam immer im Internet über "myhammer" zustande. Man hat immer ausgemacht, was die Ersatzteile kosten sollen. uf Vorkasse wurden die Beiträge geleistet. Danach hat sich Herr B. nicht mehr gemeldet oder die Geschädigten vertröstet. Die Fahrzeuge wurden zurückgegeben, obwohl Teile nicht ausgetauscht wurden."

Alle elf Fälle liefen nach dem gleichen Schema ab.
Das Gericht verurteilte ihn wegen gewerbsmäßigen Betrugs, da er sich in engen finanziellen Verhältnissen befand und sich durch die Taten eine zusätzliche Rinnahmequelle verschaffen wollte.

Bei der Höhe der Strafe berücksichtigte die zuständige Richertin: "Der Angeklagte ging organisiert vor. Er bot seine Dienste im Internet an. Er besichtigte die zu reparierenden Fahrzeuge, gab insoweit ein niedriges Reperaturangebot ab, um letztlich eine Anzahlung zu erhalten und in der Folgezeit die Auftraggeber zu vertrösten." 

Urteil des Amtsgerichts München vom 25.05.2016 Aktenzeichen 821 Ds 233 Js 211222/15