Urteil zu Reputationsmanagement

Cybermobbing, Bewertungsportale

Haftung von Bewertungsportalen

Die Aussonderung eines Großteils von Nutzerbe­wertungen nach verdeckten internen Maßstäben widerspricht dem eigentlichen Wesen eines Bewertungsportals.

Online-Bewertungen spielen eine bedeutsame Rolle für Gedeih und Verderb eines modernen Unternehmens. Das OLG München entschied nun, dass die Praxis, "verdächtige" Bewertungen nicht in die Berechnung einer Durchschnittsnote miteinzubeziehen, im Widerspruch zum Wesen eines Bewertungsportals steht - jedenfalls solange dieses Vorgehen nicht offengelegt wird.

Gegenstand des Falles war das Bewertungsportal Yelp. Die Klägerin ging gegen die Bewertung mehrerer der von ihr betriebenen Fitnessstudios auf der Plattform vor, weil offenbar nicht alle abgegebenen Bewertungen bei der Gesamtbewertung berücksichtigt wurden, sondern nur solche, die mit dem Prädikat empfohlen“ ausgezeichnet wurden. Dadurch wurden mehr als 95 % der abgegebenen Bewertungen ausgeschlossen, ohne dass der Nutzer es erkennen konnte oder dass die maßgeblichen Kriterien offengelegt wurden. In Folge dessen erhielten die Fitnessstudios nur eine Bewertung von 2,5 bis 3 Sternen, obwohl in den nicht berücksichtigten Bewertungen jedoch überwiegend 4 oder mehr Sterne vergeben wurden.

Nach Auffassung des Gerichts verständen Leser die groß ausgewiesene Gesamtbewertung so, dass es sich um das Ergebnis einer Auswertung aller abgegebenen Bewertungen handle. Der Hinweis, dass es auch weitere Bewertungen gibt, erfolgt erst unter den Angaben zum Studio und nach allen empfohlenen Beiträgen. Er bleibt dem Durchschnittsnutzer daher meist verborgen.

Dadurch entstehe kein hilfreiches, sondern ein verzerrtes Gesamtbild. Die von der Beklagten mit Hilfe ihrer Bewertungssoftware ausgewiesene Gesamtbewertung stehe letztlich zum Wesen eines Bewertungsportals im Widerspruch. Die Bewertung fuße auf Bewertungen von Nutzern, spiegle aber nicht das Gesamtbild der abgegebenen Bewertungen wider und sei deshalb nicht repräsentativ, so das Gericht weiter.

Die ausgefilterten Bewertungen zeichnete aus, dass Bewertenden nur sehr beschränkt aktiv auf der Plattform waren, also wenige eigene Bewertungen abgegeben haben und nicht mit anderen Nutzern interagierten.

Yelp haftet für die Darstellung der Gesamtbe­wertungen auf der von ihr betriebenen Plattform gemäß § 7 Abs. 1 TMG als unmittelbare Störerin. Anders als Betreiber eines klassischen Bewertungsportals sei Yelp nicht lediglich unverzichtbare Mittelsperson“, die den Erfahrungs­austausch zwischen persönlich nicht miteinander bekannten Personen ermögliche und zusätzlich den nach mathematischen Gesetzmä­ßigkeiten errechneten Durchschnitt aller für das jeweilige Unternehmen abgegebenen Bewertungen angebe. Yelp wähle vielmehr unstreitig mithilfe eines von ihr eingesetzten, als Geschäfts­geheimnis nicht offengelegten Algorithmus unter allen abgegebenen Bewertungen diejenigen aus, die sie für vertrauenswürdig und nützlich halte, und errechne den Durchschnitt nur aus diesen empfohlenen Beiträgen“.

Aufgrund der Filterung der Bewertungen stelle die jeweilige Gesamtbewertung eine eigene Äußerung des Bewertungsportals darüber dar, welche Bewertung sie nach eigener Auswahl und Beurteilung für zutreffend hält. Diese Bewertungen verletzten die Klägerin in ihrem sozialen Geltungsanspruch als Wirtschafts­un­ternehmen und damit in ihrem Unterneh­mens­per­sön­lich­keitsrecht und stellten zugleich einen rechtswidrigen Eingriff in ihren eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb dar. Diese Rechte überwogen das Recht von Yelp auf freie Meinungsäußerung.

Das Urteil des OLG München finden Sie hier.